Dividuality

Subjects

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Subjects

Dividuality

Economy

of Architecture

Architecture of Economy

Migration of Forms

Forms of Migration

halfway, Jänner 2019, © Wolfgang Thaler

halfway ist ein Ort der Verräumlichung akuter urbaner Phänomene; ein Raum, in dem mit Methoden künstlerischer Forschung eine Praxis des urbanen Kuratierens realisiert wird; ein Labor, in dem gesellschaftliche Zusammenhänge in Gestaltung übersetzt werden. Raumproduktion verstanden als dialogische Form des Zeigens und Ausstellens ist dabei ein entscheidender Aspekt der Forschung und Wissensproduktion.

 

In der mehrteiligen Projektreihe „Über das Verräumlichen urbaner Verhältnisse“ werden in halfway die räumlichen Auswirkungen eines kognitiven Kapitalismus untersucht, der durch immaterielle Arbeit, Deregulierung und prekäre Identitätsvorstellungen geprägt ist. Die entsprechende urbane Form ist die der projekbasierten Polis, in der sich der permanente Aufruf zur Selbstoptimierung und Performanz mit den algorithmischen Figuren der (In)Dividualisierung vermengt.

 

Dazu werden drei miteinander verzahnte urbane Phänomene erforscht, die als Fallstudien in Wien, Tokio und Vancouver mit ForschungspartnerInnen analysiert werden. Der Forschungs-Diskurs wird in kumulative, aufeinander aufbauende Verräumlichungen übersetzt. Diese fungieren dabei nicht nur als Displays, sondern als (Ver)Handlungs-Plattformen, die im Zuge der diskursiven Arbeit wiederholt rekonfiguriert werden. Mit dieser kuratorischen Methode ist eine partizipatorische Form der Wissensproduktion angelegt, die auf einer Gemengelage von verräumlichten Argumenten von verschiedenen AkteurInnen aus den Feldern Urbanismus, Kunst, Architektur, sowie auf punktuellen Interventionen von AkteurInnen aus heterogenen Wissensbereichen aufbaut.

 

Bei Interesse an einer Besichtigung freuen wir uns über Ihre Nachricht per Email an info@halfway.at oder melden Sie sich für Infos zu Veranstaltungen für den Newsletter an.

Raum und Display

Veranstaltungen

On Spatializing Urban Conditions

Für halfway wurde von Linda Lackner, Christina Nägele, Heidi Pretterhofer und Christian Teckert ein räumliches Setting und Display erarbeitet, das als Forschungswerkzeug für das Projekt „Curating The Urban. On Spatializing Urban Conditions“ fungiert. Dieses künstlerisch-wissenschaftliche Forschungsprojekt läuft über einen Zeitraum von zwei Jahren und wird vom FWF (PEEK) gefördert. Es ist an das Institut für Kunst und Architektur der Akademie der Bildenden Künste Wien gekoppelt. Der Ort – halfway – dient als Bühne eines laborartigen Urbanismus, in dem drei Facetten des Diskurses um die architektonischen und urbanen Verwerfungen des kognitiven Kapitalismus und seiner immateriellen und digitalen Kultur räumlich übersetzt werden.

 

Dazu werden in Kooperation mit den Forschungspartnern Jorge Almazan (Tokio) sowie Urban Subjects (Vancouver) urbanistische Fallbeispiele, architektonische Typologien und kulturelle Symptome untersucht: Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality, Migration of Forms / Forms of Migration, Economy of Architecture / Architecture of Economy.

 

In den Verräumlichungen wird versucht, das Verhältnis zwischen Stadt und der Produktion des sozialen Raums als Dimension des kognitiven Kapitalismus darzustellen. Künstlerische und urbanistische Strategien werden dabei zu einer Methode des „urbanen Kuratierens“ zusammengeführt.

Raum und Display

Der Raum halfway ist gleichzeitig ein Ort des Zeigens/Repräsentierens und des Agierens/Produzierens. Das Display bildet dabei eine entscheidende Zone der Interaktion, Kommunikation und Performanz. Die Elemente im Raum sind allesamt aus vorgefundenen Parametern der Architektur übernommen und transformiert worden. Der Komplex, in dem halfway lokalisiert ist, verkörpert eine Idee von Räumlichkeit, in der genau jene gesellschaftliche Formation in den Grundzügen ihr Bild annimmt, die wir untersuchen: Die auf immaterielle Arbeit setzende Ökonomie des kognitiven Kapitalismus, an deren Beginn nicht zufällig die Themen Raster, Kybernetik, Modulation entscheidende Momente der Gestaltung waren.

 

Aus dem Raster der Deckenelemente in halfway wurde eine Reihe von „Derivaten“ entwickelt, die als Trägerfiguren für die Inhalte unserer Verräumlichungen stehen. Mit Spiegelfolie überzogene Kartonplatten, schwarz gefärbtes MDF sowie mit Farbfeldern markierte Holzkisten stellen das primäre Arbeitsmaterial im Raum halfway dar, mit dem sukzessive an räumlichen Settings gearbeitet wird. Diese wiederum sind als Kommunikationswerkzeuge zu verstehen, die als Einladung zum Diskurs und zur Vermittlung dienen.

halbgasse 3-5, 1070 Wien

Verräumlichung als Methode

"Wo sind die (...) Werkzeuge, mit denen sich die widersprüchliche und kontroverse Natur von uns angehenden Sachen repräsentieren lässt?"

-­ Bruno Latour

 

Latour weist hier auf die zunehmende Bedeutung von Gestalterinnen und Gestaltern in der zeitgenössischen Gesellschaft hin, denen die entscheidende Fähigkeit zugesprochen wird, komplexe soziale und kulturelle Zusammenhänge kartieren und visualisieren zu vermögen. Er stellt damit auch eine grundlegende Forderung an Design und speziell an die Architektur in den Raum: Dass es nämlich angesichts einer grundlegenden Krise der Repräsentation der Komplexität der Gegenwart (und ihrer krisenhaften Ökonomie) darum gehen müsste, speziell ihre Widersprüche darzustellen. Im Sinne einer anderen Form der Kritik, die sich nicht primär textbasiert, sondern als Problem der Gestaltung darstellt.

Modellhafte, metaphorische und konkrete Anordnungen im Raum sind das Medium der urbanistischen Produktion, die halfway anstrebt. Das Format der Ausstellung wird dabei als Labor und Bühne genauso wie als Ort des Zeigens gedacht, in dem sich Diskurse räumlich abbilden und damit begehbar und verhandelbar werden.

 

Historisch bezieht sich halfway in den Methoden der Verräumlichung auf Methoden der Avantgarden des frühen 20. Jhdts wie etwas das konstruktivistische Labor, dessen Verfahrensweisen in die grundlegend veränderten Bedingungen der Gegenwart transferiert werden sollen. Hier existierte (zumindest für eine begrenzte Zeit) in den russischen Kollektiven von Kulturproduzenten der 1920er Jahre ein Modell, in dem die prototypische Dialektik zwischen Kunst als Teil des Lebens (Art into Life) sowie der Idee der Autonomie des Kunstwerks aufgehoben schien. Die laboratory works der Konstruktivisten waren experimentelle "formal exercises undertaken nor for their own sake but as research for future instrumental uses".

– Peter Osborne, 2013

Performative Situation mit Anita Fuchs und Sonia Leimer

 

12. April 2019, 19:00 Uhr

halfway – Halbgasse 3-5, 1070 Wien

 

Lecture Weltraumsalat von Sonia Leimer und Präsentation der Arbeit Traveller's Tree von Anita Fuchs.

Credits: links: Anita Fuchs, rechts: Ingo Wagner, dpa/picturedesk.com

Sonia Leimer – Weltraumsalat

In ihrer Lecture wird Sonia Leimer einen Bogen von Weltraummüll und zukünftiger Landwirtschaft über die Meraner Apfelkrone bis hin zum Verschwinden von Little Italy in New York spannen. Entlang dieses breit angelegten Themenspektrums wird sichtbar, wie Formen und Objekte aus verschiedenen kulturellen und historischen Kontexten migrieren, sich verändern und dadurch gesellschaftliche und räumliche Veränderungen sichtbar machen.

 

Anita Fuchs – Traveller's Tree

Die Arbeit Traveller's Tree verknüpft und verformt drei unterschiedliche Bepflanzungen und deren Habitate: ein überpflegtes "Stadtwäldchen" im Gebäudekomplex halfway in Wien, einen Baum der Reisenden aus einer Küstenregion Mexikos und ein Waldstück als Outdoor-Arbeitsort an der österreichisch-ungarischen Grenze. In dieser eigenwilligen Überlagerung werden die Pflanzen selbst zu Protagonisten und erzählen von modischen, ästhetischen und politischen Verhältnissen.

 

* Anita Fuchs ist Teil des Künstlerinnenduos RESANITA. Ihre Projekte starten oft mit einem aktionistischen Ansatz: Roadtrips zum Zwecke des Pflanzentransfers durch mehrere Staaten, Transport von ganzen Bäumen aus einer Forschungsstation oder die Bestellung eines Feldes mit historischem Saatgut. Diese Aktionen sind mit gegenwärtigen Themen der Gesellschaft wie Klimawandel, Terror, Migration, Geschichte, Ökonomie und Politik verbunden. Ebenso Teil der konzeptuellen Arbeitsweise ist ein wissenschaftlich-forschendes Streben und manchmal jahrelanger Austausch mit internationalen Institutionen. Immer wieder spielt die Natur eine bedeutende Rolle.

www.resanita.at

* Sonia Leimer, geboren 1977 in Meran, lebt und arbeitet in Wien. Sonia Leimer verhandelt in ihrer Arbeit Fragen nach den Grundlagen unserer Wahrnehmung, die sich auf der Basis individueller, historischer und medial geprägter Erfahrungsmuster bilden. Räume und Objekte, die in konkreten historischen Zusammenhängen entstanden sind, erfahren dabei eine Transformation, die Geschichte und gesellschaftlichen Wandel erfahrbar macht.

Sie studierte Architektur an der Technischen Universität und der Akademie der bildenden Künste Wien. Von 2005 bis 2012 monatliche Radiosendung "Image and the City" bei Radio Orange.  2012 – 2016 Lehrauftrag an der Akademie der bildenden Künste Wien. Leimer stellte ihre Arbeiten international aus, unter anderem im Mumok, Museum Moderner Kunst Wien; Leopold Museum, Wien; Galerie nächst St. Stephan, Wien; Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen; Barbara Gross Galerie, München; Los Angeles Museum of Art; 5th Moscow Biennial; artothek, Köln; Museion, Bozen; MAK Center for Art and Architecture, Los Angeles; BAWAG Contemporary, Wien; und Manifesta 7, Rovereto. 2018 erhielt sie den Italian Art Council Prize.

www.sonialeimer.net

Imaginary Display(s)

 

29. März, 2019, 19 Uhr

halfway, Halbgasse 3-5, 1070 Wien

 

Screening des Films Imaginary Display(s) von Marie-France Rafael mit der Performance I call it a museum von Romain Gandolphe und anschließendem Gespräch.

Exhibition view Imaginary Display(s) – Exhibition as Film / Film as Exhibition, 2018 [Philipp Gufler, Romankreisen (Detail), 2017, Courtesy: BQ, Berlin; Klaus vom Burch, Voodoo Tapete, 2014; Kalas Liebfried, Ambient Variation for a Bunker (Detail), 2018; Richard John Jones & Camilla Wills, Borrowed Body] Photo: Dominik Gigler

Am 29.3.2019 wird die Kunsthistorikerin/Kuratorin Marie-France Rafael mit dem Künstler Romain Gandolphe in einem performativen Dialog ihre Ausstellung Imaginary Display(s) – Exhibition as Film / Film as Exhibition, die 2018 im BNKR München stattfand thematisieren. Als Ausgangspunkt für eine Diskussion zeitgenössischer Methoden künstlerischen Forschens und Produzierens im räumlichen Kontext von Ausstellungen.

Künstlerische Displays im Ausstellungskontext dienen nicht einfach der Anordnung oder Installation von Objekten im Raum, sondern der Konstruktion von Situationen. Dabei bestimmt die Frage der (Re-)Präsentierbarkeit bereits den Entstehungsprozess der Arbeit: Denn es wird eine Präsentations-Situation geschaffen, in der sowohl das, was das Display zeigt, als auch, wie es gezeigt wird (also die Effekte des Displays), ausgestellt werden. Dies ist eine von Marie-France Rafaels Hauptthesen ihrer Monographie Reisen ins Imaginativ. Künstlerische Displays und Situationen, die sie dazu geführt haben, in Erweiterung ihrer theoretischen Reflexionen, eine performative Ausstellung zu realisieren: Imaginary Display(s) – Exhibition as Film / Film as Exhibition im BNKR München (im Rahmen von Stop making sense, it’s as good as it gets.: einem 15-monatigen Programm von Ludwig Engel und Joanna Kamm).

Marie-France Rafael wird ihre Überlegungen vorstellen und einen Einblick in die Ausstellung geben, welche all das präsentiert, was normalerweise vor dem Blick des Zuschauers verborgen bleibt: den Entstehungsprozess einer Ausstellung und die Produktion eines Films. In einem rekursiven Gestus werden die Ausstellung und der Film zu Elementen, die in immerzu neu angeordneten, dynamischen Konstellationen in Zeit und Raum rekombiniert werden. Hierfür hat sie den Künstler Romain Gandolphe eingeladen, der schon in der Ausstellung in München mitgewirkt hat.

Für seine Performance I call it a museum wird Romain Gandolphe die Topografie eines imaginären Museums ohne Türen beschreiben, aus dem man nicht entkommen kann. Er wird also nach einem Ausweg suchen, durch die vorhandenen Arbeiten und das Mobiliar.

*Marie-France Rafael ist promovierte Kunsthistorikerin. Sie studierte Kunstgeschichte und Filmwissenschaften in Berlin und Paris. Von 2011 bis 2014 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Sonderforschungsbereich 626 „Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste“ der Freien Universität Berlin. Zurzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Muthesius Kunsthochschule Kiel im Bereich Raumstrategien und lehrt regelmäßig an der Kunstakademie Münster. Kürzlich erschien ihre Monographie Reisen ins Imaginativ. Künstlerische Displays und Situationen (Köln: Walther König, 2017). Weitere Publikationen umfassen Ari Benjamin Meyers. Music on Display (Köln: Walther König, 2016) und Pierre Huyghe. On Site (Köln: Walther König, 2013).

*Nach einem wissenschaftlichen Studium absolvierte Romain Gandolphe die École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Lyon (Frankreich), wo er nun im Rahmen des Projekts Post-Performance-Zukunft forscht. Führungen, Reiseberichte oder imaginäre Ausstellungen sind Teil der Sprechperformances sowie der Performance-Kunst von Gandolphe, in die er Fragen zu Erinnerung und Storytelling einflechtet. Kürzlich präsentierte er seine Arbeiten im Centre Pompidou (Paris), im M Museum (Leuven), in Nahmad Projects (London) und in Form von Einzelausstellungen.

Imaginary Display(s)

 

March 29, 2019, 7 pm

halfway, Halbgasse 3-5, 1070 Vienna

 

Screening of Imaginary Display(s) by Marie-France Rafael with the performance I call it a museum by Romain Gandolphe, followed by a roundtable talk.

Exhibition view Imaginary Display(s) – Exhibition as Film / Film as Exhibition, 2018 [Philipp Gufler, Romankreisen (Detail), 2017, Courtesy: BQ, Berlin; Klaus vom Burch, Voodoo Tapete, 2014; Kalas Liebfried, Ambient Variation for a Bunker (Detail), 2018; Richard John Jones & Camilla Wills, Borrowed Body] Photo: Dominik Gigler

On March 29 art historian/curator Marie-France Rafael will address her exhibition Imaginary Display(s) – Exhibition as Film / Film as Exhibition, that took place at BNKR Munich in 2018, in a performative dialogue together with the artist Romain Gandolphe. This is the starting point for a discussion on contemporary methods of artistic research and the spatial production of the “exhibition”.

Contemporary exhibitions present artistically constructed situations and displays. Thus, we encounter more and more often an art that has adopted the character of a display i.e. of a display situation. The display itself becomes then a work-constituent and perception-processual prerequisite as well as precondition to the artistic process. This is one of Marie-France Rafael main theses in her latest monograph Reisen ins Imaginativ. Künstlerische Displays und Situationen, that led her now to expand her theoretical research into the realization of a performative exhibition: Imaginary Display(s) – Exhibition as Film / Film as Exhibition at BNKR Munich (as part of Stop making sense, it’s as good as it gets.: a 15month long program developed by Ludwig Engel and Joanna Kamm).

Marie-France Rafael will present her thoughts and give an insight into the exhibition that puts on display everything that is usually hidden from the audience: the development process of an exhibition and the production of a film. In a recursive gesture exhibition and film are turned into elements thus creating new situations in time and space. For this she invited the artist Romaine Gandolphe, who already participated in the exhibition in Munich.

For his performance I call it a museum, Romain Gandolphe will describe the topography of an imaginary museum built without any door and from which we can’t exit. He will then seek to think of another way out, inventing new passages through the works and furniture.

*Marie-France Rafael holds a Ph.D in Art History. She studied Art History and Film Studies in Berlin and Paris. From 2011 to 2014 she was a research associate at the Collaborative Research Center 626: Aesthetic Experience and the Dissolution of Artistic Limits at the Free University Berlin. Currently she is a research associate at the Muthesius University Kiel, Department of Spatial Strategies and she lectures at the Academy of Fine Arts Münster. Recently her monograph Reisen ins Imaginativ. Künstlerische Displays und Situationen (Köln: Walther König, 2017) was published. Other publications include Ari Benjamin Meyers. Music on Display (Köln: Walther König, 2016) and Pierre Huyghe. On Site (Köln: Walther König, 2013).

*After scientific studies, Romain Gandolphe graduated from the National School of Fine Arts in Lyon (France) where he is now a researcher among the Post-Performance Future group. Through speech and language, he works on notions such as memory and storytelling, proposing performances in the form of guided tours, travel writing and imaginary exhibitions. He has recently presented his work at Centre Pompidou (Paris), M Museum (Leuven), Nahmad Projects (London) and at the occasions of solo exhibitions.

halfway, November 2018, © Wolfgang Thaler

Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality ist das erste Kapitel von „Curating the Urban. On Spatializing Urban Conditions”. Ein Projekt von Christina Nägele, Heidi Pretterhofer und Christian Teckert mit Linda Lackner.

 

Kollaborationen mit:

Jorge Almazan und Urban Subjects (Sabine Bitter, Jeff Derksen, Helmut Weber).

 

Arbeiten von:

Bêka & Lemoine, Helen Knowles, Marlene Maier.

 

Weitere Beiträge von:

Ryo Abe, Edwina Hörl & SO-BA, John Cheney-Lippold, Esperanza Miyake, Peter Mörtenböck & Helge Mooshammer, Lina Morawetz, Roman Seidl, Astrid Seme, Felix Stalder, Eszter Steierhoffer, Wolfgang Thaler, Roemer van Toorn, Ignacio Valero, Sarah Widmer.

 

Film screening und Künstleringespräch mit Helen Knowles: 10.1.2019, 19.00

Helen Knowles: The Trial of Superdebthunterbot (2016; 45min)

 

 

Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality ist das erste Kapitel einer Reihe von sogenannten Verräumlichungen: Vorschläge und Spekulationen über die Relationen zwischen Subjektivität und Raum in Zeiten der Digitalisierung. Es geht um eine Form der Urbanität, bei der sich der ständige Ruf nach Selbstoptimierung und Leistung mit den algorithmischen Formen der (In)Dividualisierung überschneidet.

 

Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality beschäftigt sich mit architektonischen und urbanen Phänomenen, die symptomatisch für eine zunehmend dividuale Form zeitgenössischer Subjektivität sind. Dividuale Räume stellen eine grundlegende Transformation von Raumkonzepten dar, wobei geteilte und teilbare Räume den „Prosumer“-Subjekten und ihren verschiedenen Rollen entsprechen, die zunehmend algorithmisch vorbestimmt erscheinen.

Yoshiharu Tsukamoto und Jorge Almazan definierten Dividual Spaces als temporäre und kommerzielle Orte eines „on-demand“ Zugangs, die von räumlicher Unterteilung und der Auslagerung einer Vielzahl vormals privater Funktionen geprägt sind: marktförmige und permanent überwachte, bewertete, modulierte und zunehmend algorithmisch gestaltete Architekturtypologien.

Das Phänomen der räumlichen Teilbarkeit ist Teil einer grundlegenden Neugestaltung städtischer Umgebungen, die durch Neoliberalismus, Verschuldungsökonomie und die Kultur einer technologiebasierten Antizipation definiert sind. Die damit produzierten Lücken und Risse in der Gesellschaft manifestieren sich zunehmend in extremen Unterschieden architektonischer Zugangsmöglichkeiten.

 

Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality versammelt Elemente der Forschung, Recherche, künstlerische Produktionen sowie räumliche Settings, um einem notwendigen Diskurs über zeitgenössische urbane Fragen eine Plattform zu geben sowie zu verräumlichen.

Spatialization 1 at halfway

9.1. – 19.1.2019

 

Halbgasse 3-5, 1070 Vienna

Opening: 8.1.2019, 7 pm

Opening hours:  Wednesday – Saturday, 3 pm to 6 pm

 

 

Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality is the first chapter of „Curating the Urban. On Spatializing Urban Conditions”. A project by Christina Nägele, Heidi Pretterhofer and Christian Teckert with Linda Lackner.

 

Collaborations with:

Jorge Almazan and Urban Subjects (Sabine Bitter, Jeff Derksen, Helmut Weber).

 

Works by:

Bêka & Lemoine, Helen Knowles, Marlene Maier.

 

Further contributions by:

Ryo Abe, Edwina Hörl & SO-BA, John Cheney-Lippold, Esperanza Miyake, Peter Mörtenböck & Helge Mooshammer, Lina Morawetz, Roman Seidl, Astrid Seme, Felix Stalder, Eszter Steierhoffer, Wolfgang Thaler, Roemer van Toorn, Ignacio Valero, Sarah Widmer.

 

Film screening and artist talk with Helen Knowles: 10.1.2019, 7 pm

Helen Knowles: The Trial of Superdebthunterbot (2016; 45min)

 

 

Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality deals with architectural and urban phenomena which are symptomatic of an increasingly dividual form of contemporary subjectivity. Dividual Spaces represent a fundamental transformation of spatial concepts, where divided and divisible spaces correspond to "prosumer" subjects and their multiple roles, which increasingly seem to be algorithmically pre-determined.

Yoshiharu Tsukamoto and Jorge Almazan defined Dividual Spaces as characterized by temporal and commercial on-demand access, spatial compartmentalization and the outsourcing of a multiplicity of formerly private functions, resulting in market-driven and permanently monitored, evaluated, modulated and increasingly algorithmically designed architectural typologies. The phenomenon of spatial dividuality is part of a fundamental re-structuring of urban environments defined by neo-liberalism, an economy of debt, and a culture of technology-based anticipation. The subsequent radical gaps and fissures in society increasingly manifest themselves in sometimes extreme difference in (access to) architectural space.

 

Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality gathers elements of research, investigation, artistic productions, spatial settings in an attempt to create a platform and spatialize a discourse on contemporary urban questions.

Preview am 12.10.2018

halfway ist ein Ort der Verräumlichung akuter urbaner Phänomene; ein Raum, in dem mit Methoden künstlerischer Forschung eine Praxis des urbanen Kuratierens realisiert wird; ein Labor, in dem gesellschaftliche Zusammenhänge in Gestaltung übersetzt werden.

 

Am 12.10.2018 laden wir zur Preview. Von 12:00 mittags bis 10:00 abends steht halfway offen für Gespräche, Begehungen, Anspielungen, Auseinandersetzungen und Einblicke.

 

10 Stunden die wir gerne mit Dir teilen!

 

Auf euren Besuch freuen sich

Linda Lackner, Christina Nägele, Heidi Pretterhofer, Christian Teckert

halfway, Jänner 2019, © Wolfgang Thaler

halfway ist ein Ort der Verräumlichung akuter urbaner Phänomene; ein Raum, in dem mit Methoden künstlerischer Forschung eine Praxis des urbanen Kuratierens realisiert wird; ein Labor, in dem gesellschaftliche Zusammenhänge in Gestaltung übersetzt werden. Raumproduktion verstanden als dialogische Form des Zeigens und Ausstellens ist dabei ein entscheidender Aspekt der Forschung und Wissensproduktion.

 

In der mehrteiligen Projektreihe „Über das Verräumlichen urbaner Verhältnisse“ werden in halfway die räumlichen Auswirkungen eines kognitiven Kapitalismus untersucht, der durch immaterielle Arbeit, Deregulierung und prekäre Identitätsvorstellungen geprägt ist. Die entsprechende urbane Form ist die der projekbasierten Polis, in der sich der permanente Aufruf zur Selbstoptimierung und Performanz mit den algorithmischen Figuren der (In)Dividualisierung vermengt.

 

Dazu werden drei miteinander verzahnte urbane Phänomene erforscht, die als Fallstudien in Wien, Tokio und Vancouver mit ForschungspartnerInnen analysiert werden. Der Forschungs-Diskurs wird in kumulative, aufeinander aufbauende Verräumlichungen übersetzt. Diese fungieren dabei nicht nur als Displays, sondern als (Ver)Handlungs-Plattformen, die im Zuge der diskursiven Arbeit wiederholt rekonfiguriert werden. Mit dieser kuratorischen Methode ist eine partizipatorische Form der Wissensproduktion angelegt, die auf einer Gemengelage von verräumlichten Argumenten von verschiedenen AkteurInnen aus den Feldern Urbanismus, Kunst, Architektur, sowie auf punktuellen Interventionen von AkteurInnen aus heterogenen Wissensbereichen aufbaut.

 

Bei Interesse an einer Besichtigung freuen wir uns über Ihre Nachricht per Email an info@halfway.at oder melden Sie sich für Infos zu Veranstaltungen für den Newsletter an.

On Spatializing Urban Conditions

 

Für halfway wurde von Linda Lackner, Christina Nägele, Heidi Pretterhofer und Christian Teckert ein räumliches Setting und Display erarbeitet, das als Forschungswerkzeug für das Projekt „Curating The Urban. On Spatializing Urban Conditions“ fungiert. Dieses künstlerisch-wissenschaftliche Forschungsprojekt läuft über einen Zeitraum von zwei Jahren und wird vom FWF (PEEK) gefördert. Es ist an das Institut für Kunst und Architektur der Akademie der Bildenden Künste Wien gekoppelt. Der Ort – halfway – dient als Bühne eines laborartigen Urbanismus, in dem drei Facetten des Diskurses um die architektonischen und urbanen Verwerfungen des kognitiven Kapitalismus und seiner immateriellen und digitalen Kultur räumlich übersetzt werden.

 

Dazu werden in Kooperation mit den Forschungspartnern Jorge Almazan (Tokio) sowie Urban Subjects (Vancouver) urbanistische Fallbeispiele, architektonische Typologien und kulturelle Symptome untersucht: Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality, Migration of Forms / Forms of Migration, Economy of Architecture / Architecture of Economy.

 

In den Verräumlichungen wird versucht, das Verhältnis zwischen Stadt und der Produktion des sozialen Raums als Dimension des kognitiven Kapitalismus darzustellen. Künstlerische und urbanistische Strategien werden dabei zu einer Methode des „urbanen Kuratierens“ zusammengeführt.

Raum und Display

Der Raum halfway ist gleichzeitig ein Ort des Zeigens/Repräsentierens und des Agierens/Produzierens. Das Display bildet dabei eine entscheidende Zone der Interaktion, Kommunikation und Performanz. Die Elemente im Raum sind allesamt aus vorgefundenen Parametern der Architektur übernommen und transformiert worden. Der Komplex, in dem halfway lokalisiert ist, verkörpert eine Idee von Räumlichkeit, in der genau jene gesellschaftliche Formation in den Grundzügen ihr Bild annimmt, die wir untersuchen: Die auf immaterielle Arbeit setzende Ökonomie des kognitiven Kapitalismus, an deren Beginn nicht zufällig die Themen Raster, Kybernetik, Modulation entscheidende Momente der Gestaltung waren.

 

Aus dem Raster der Deckenelemente in halfway wurde eine Reihe von „Derivaten“ entwickelt, die als Trägerfiguren für die Inhalte unserer Verräumlichungen stehen. Mit Spiegelfolie überzogene Kartonplatten, schwarz gefärbtes MDF sowie mit Farbfeldern markierte Holzkisten stellen das primäre Arbeitsmaterial im Raum halfway dar, mit dem sukzessive an räumlichen Settings gearbeitet wird. Diese wiederum sind als Kommunikationswerkzeuge zu verstehen, die als Einladung zum Diskurs und zur Vermittlung dienen.

halbgasse 3-5, 1070 Wien

Verräumlichung als Methode

"Wo sind die (...) Werkzeuge, mit denen sich die widersprüchliche und kontroverse Natur von uns angehenden Sachen repräsentieren lässt?"

-­ Bruno Latour

 

Latour weist hier auf die zunehmende Bedeutung von Gestalterinnen und Gestaltern in der zeitgenössischen Gesellschaft hin, denen die entscheidende Fähigkeit zugesprochen wird, komplexe soziale und kulturelle Zusammenhänge kartieren und visualisieren zu vermögen. Er stellt damit auch eine grundlegende Forderung an Design und speziell an die Architektur in den Raum: Dass es nämlich angesichts einer grundlegenden Krise der Repräsentation der Komplexität der Gegenwart (und ihrer krisenhaften Ökonomie) darum gehen müsste, speziell ihre Widersprüche darzustellen. Im Sinne einer anderen Form der Kritik, die sich nicht primär textbasiert, sondern als Problem der Gestaltung darstellt.

Modellhafte, metaphorische und konkrete Anordnungen im Raum sind das Medium der urbanistischen Produktion, die halfway anstrebt. Das Format der Ausstellung wird dabei als Labor und Bühne genauso wie als Ort des Zeigens gedacht, in dem sich Diskurse räumlich abbilden und damit begehbar und verhandelbar werden.

 

Historisch bezieht sich halfway in den Methoden der Verräumlichung auf Methoden der Avantgarden des frühen 20. Jhdts wie etwas das konstruktivistische Labor, dessen Verfahrensweisen in die grundlegend veränderten Bedingungen der Gegenwart transferiert werden sollen. Hier existierte (zumindest für eine begrenzte Zeit) in den russischen Kollektiven von Kulturproduzenten der 1920er Jahre ein Modell, in dem die prototypische Dialektik zwischen Kunst als Teil des Lebens (Art into Life) sowie der Idee der Autonomie des Kunstwerks aufgehoben schien. Die laboratory works der Konstruktivisten waren experimentelle "formal exercises undertaken nor for their own sake but as research for future instrumental uses".

– Peter Osborne, 2013

Performative Situation mit Anita Fuchs und Sonia Leimer

12. April 2019, 19:00 Uhr

halfway – Halbgasse 3-5, 1070 Wien

Lecture Weltraumsalat von Sonia Leimer und Präsentation der Arbeit Traveller's Tree von Anita Fuchs.

Credits: links: Anita Fuchs, rechts: Ingo Wagner, dpa/picturedesk.com

Sonia Leimer – Weltraumsalat

In ihrer Lecture wird Sonia Leimer einen Bogen von Weltraummüll und zukünftiger Landwirtschaft über die Meraner Apfelkrone bis hin zum Verschwinden von Little Italy in New York spannen. Entlang dieses breit angelegten Themenspektrums wird sichtbar, wie Formen und Objekte aus verschiedenen kulturellen und historischen Kontexten migrieren, sich verändern und dadurch gesellschaftliche und räumliche Veränderungen sichtbar machen.

Anita Fuchs – Traveller's Tree

Die Arbeit Traveller's Tree verknüpft und verformt drei unterschiedliche Bepflanzungen und deren Habitate: ein überpflegtes "Stadtwäldchen" im Gebäudekomplex halfway in Wien, einen Baum der Reisenden aus einer Küstenregion Mexikos und ein Waldstück als Outdoor-Arbeitsort an der österreichisch-ungarischen Grenze. In dieser eigenwilligen Überlagerung werden die Pflanzen selbst zu Protagonisten und erzählen von modischen, ästhetischen und politischen Verhältnissen.

* Anita Fuchs ist Teil des Künstlerinnenduos RESANITA. Ihre Projekte starten oft mit einem aktionistischen Ansatz: Roadtrips zum Zwecke des Pflanzentransfers durch mehrere Staaten, Transport von ganzen Bäumen aus einer Forschungsstation oder die Bestellung eines Feldes mit historischem Saatgut. Diese Aktionen sind mit gegenwärtigen Themen der Gesellschaft wie Klimawandel, Terror, Migration, Geschichte, Ökonomie und Politik verbunden. Ebenso Teil der konzeptuellen Arbeitsweise ist ein wissenschaftlich-forschendes Streben und manchmal jahrelanger Austausch mit internationalen Institutionen. Immer wieder spielt die Natur eine bedeutende Rolle.

www.resanita.at

* Sonia Leimer, geboren 1977 in Meran, lebt und arbeitet in Wien. Sonia Leimer verhandelt in ihrer Arbeit Fragen nach den Grundlagen unserer Wahrnehmung, die sich auf der Basis individueller, historischer und medial geprägter Erfahrungsmuster bilden. Räume und Objekte, die in konkreten historischen Zusammenhängen entstanden sind, erfahren dabei eine Transformation, die Geschichte und gesellschaftlichen Wandel erfahrbar macht.

Sie studierte Architektur an der Technischen Universität und der Akademie der bildenden Künste Wien. Von 2005 bis 2012 monatliche Radiosendung "Image and the City" bei Radio Orange.  2012 – 2016 Lehrauftrag an der Akademie der bildenden Künste Wien. Leimer stellte ihre Arbeiten international aus, unter anderem im Mumok, Museum Moderner Kunst Wien; Leopold Museum, Wien; Galerie nächst St. Stephan, Wien; Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen; Barbara Gross Galerie, München; Los Angeles Museum of Art; 5th Moscow Biennial; artothek, Köln; Museion, Bozen; MAK Center for Art and Architecture, Los Angeles; BAWAG Contemporary, Wien; und Manifesta 7, Rovereto. 2018 erhielt sie den Italian Art Council Prize.

www.sonialeimer.net

Imaginary Display(s)

29. März 2019, 19 Uhr

Halbgasse 3-5, 1070 Wien

Screening des Films Imaginary Display(s) von Marie-France Rafael mit der Performance I call it a museum von Romain Gandolphe und anschließendem Gespräch.

Exhibition view Imaginary Display(s) – Exhibition as Film / Film as Exhibition, 2018 [Philipp Gufler, Romankreisen (Detail), 2017, Courtesy: BQ, Berlin; Klaus vom Burch, Voodoo Tapete, 2014; Kalas Liebfried, Ambient Variation for a Bunker (Detail), 2018; Richard John Jones & Camilla Wills, Borrowed Body] Photo: Dominik Gigler

Am 29.3.2019 wird die Kunsthistorikerin/Kuratorin Marie-France Rafael mit dem Künstler Romain Gandolphe in einem performativen Dialog ihre Ausstellung Imaginary Display(s) – Exhibition as Film / Film as Exhibition, die 2018 im BNKR München stattfand thematisieren. Als Ausgangspunkt für eine Diskussion zeitgenössischer Methoden künstlerischen Forschens und Produzierens im räumlichen Kontext von Ausstellungen.

Künstlerische Displays im Ausstellungskontext dienen nicht einfach der Anordnung oder Installation von Objekten im Raum, sondern der Konstruktion von Situationen. Dabei bestimmt die Frage der (Re-)Präsentierbarkeit bereits den Entstehungsprozess der Arbeit: Denn es wird eine Präsentations-Situation geschaffen, in der sowohl das, was das Display zeigt, als auch, wie es gezeigt wird (also die Effekte des Displays), ausgestellt werden. Dies ist eine von Marie-France Rafaels Hauptthesen ihrer Monographie Reisen ins Imaginativ. Künstlerische Displays und Situationen, die sie dazu geführt haben, in Erweiterung ihrer theoretischen Reflexionen, eine performative Ausstellung zu realisieren: Imaginary Display(s) – Exhibition as Film / Film as Exhibition im BNKR München (im Rahmen von Stop making sense, it’s as good as it gets.: einem 15-monatigen Programm von Ludwig Engel und Joanna Kamm).

Marie-France Rafael wird ihre Überlegungen vorstellen und einen Einblick in die Ausstellung geben, welche all das präsentiert, was normalerweise vor dem Blick des Zuschauers verborgen bleibt: den Entstehungsprozess einer Ausstellung und die Produktion eines Films. In einem rekursiven Gestus werden die Ausstellung und der Film zu Elementen, die in immerzu neu angeordneten, dynamischen Konstellationen in Zeit und Raum rekombiniert werden. Hierfür hat sie den Künstler Romain Gandolphe eingeladen, der schon in der Ausstellung in München mitgewirkt hat.

Für seine Performance I call it a museum wird Romain Gandolphe die Topografie eines imaginären Museums ohne Türen beschreiben, aus dem man nicht entkommen kann. Er wird also nach einem Ausweg suchen, durch die vorhandenen Arbeiten und das Mobiliar.

*Marie-France Rafael ist promovierte Kunsthistorikerin. Sie studierte Kunstgeschichte und Filmwissenschaften in Berlin und Paris. Von 2011 bis 2014 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Sonderforschungsbereich 626 „Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste“ der Freien Universität Berlin. Zurzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Muthesius Kunsthochschule Kiel im Bereich Raumstrategien und lehrt regelmäßig an der Kunstakademie Münster. Kürzlich erschien ihre Monographie Reisen ins Imaginativ. Künstlerische Displays und Situationen (Köln: Walther König, 2017). Weitere Publikationen umfassen Ari Benjamin Meyers. Music on Display (Köln: Walther König, 2016) und Pierre Huyghe. On Site (Köln: Walther König, 2013).

*Nach einem wissenschaftlichen Studium absolvierte Romain Gandolphe die École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Lyon (Frankreich), wo er nun im Rahmen des Projekts Post-Performance-Zukunft forscht. Führungen, Reiseberichte oder imaginäre Ausstellungen sind Teil der Sprechperformances sowie der Performance-Kunst von Gandolphe, in die er Fragen zu Erinnerung und Storytelling einflechtet. Kürzlich präsentierte er seine Arbeiten im Centre Pompidou (Paris), im M Museum (Leuven), in Nahmad Projects (London) und in Form von Einzelausstellungen.

Imaginary Display(s)

March 29, 2019, 7 pm

halfway, Halbgasse 3-5, 1070 Vienna

Screening of Imaginary Display(s) by Marie-France Rafael with the performance I call it a museum by Romain Gandolphe, followed by a roundtable talk.

Exhibition view Imaginary Display(s) – Exhibition as Film / Film as Exhibition, 2018 [Philipp Gufler, Romankreisen (Detail), 2017, Courtesy: BQ, Berlin; Klaus vom Burch, Voodoo Tapete, 2014; Kalas Liebfried, Ambient Variation for a Bunker (Detail), 2018; Richard John Jones & Camilla Wills, Borrowed Body] Photo: Dominik Gigler

On March 29 art historian/curator Marie-France Rafael will address her exhibition Imaginary Display(s) – Exhibition as Film / Film as Exhibition, that took place at BNKR Munich in 2018, in a performative dialogue together with the artist Romain Gandolphe. This is the starting point for a discussion on contemporary methods of artistic research and the spatial production of the “exhibition”.

Contemporary exhibitions present artistically constructed situations and displays. Thus, we encounter more and more often an art that has adopted the character of a display i.e. of a display situation. The display itself becomes then a work-constituent and perception-processual prerequisite as well as precondition to the artistic process. This is one of Marie-France Rafael main theses in her latest monograph Reisen ins Imaginativ. Künstlerische Displays und Situationen, that led her now to expand her theoretical research into the realization of a performative exhibition: Imaginary Display(s) – Exhibition as Film / Film as Exhibition at BNKR Munich (as part of Stop making sense, it’s as good as it gets.: a 15month long program developed by Ludwig Engel and Joanna Kamm).

Marie-France Rafael will present her thoughts and give an insight into the exhibition that puts on display everything that is usually hidden from the audience: the development process of an exhibition and the production of a film. In a recursive gesture exhibition and film are turned into elements thus creating new situations in time and space. For this she invited the artist Romaine Gandolphe, who already participated in the exhibition in Munich.

For his performance I call it a museum, Romain Gandolphe will describe the topography of an imaginary museum built without any door and from which we can’t exit. He will then seek to think of another way out, inventing new passages through the works and furniture.

*Marie-France Rafael holds a Ph.D in Art History. She studied Art History and Film Studies in Berlin and Paris. From 2011 to 2014 she was a research associate at the Collaborative Research Center 626: Aesthetic Experience and the Dissolution of Artistic Limits at the Free University Berlin. Currently she is a research associate at the Muthesius University Kiel, Department of Spatial Strategies and she lectures at the Academy of Fine Arts Münster. Recently her monograph Reisen ins Imaginativ. Künstlerische Displays und Situationen (Köln: Walther König, 2017) was published. Other publications include Ari Benjamin Meyers. Music on Display (Köln: Walther König, 2016) and Pierre Huyghe. On Site (Köln: Walther König, 2013).

*After scientific studies, Romain Gandolphe graduated from the National School of Fine Arts in Lyon (France) where he is now a researcher among the Post-Performance Future group. Through speech and language, he works on notions such as memory and storytelling, proposing performances in the form of guided tours, travel writing and imaginary exhibitions. He has recently presented his work at Centre Pompidou (Paris), M Museum (Leuven), Nahmad Projects (London) and at the occasions of solo exhibitions.

halfway, November 2018, © Wolfgang Thaler

Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality ist das erste Kapitel von „Curating the Urban. On Spatializing Urban Conditions”. Ein Projekt von Christina Nägele, Heidi Pretterhofer und Christian Teckert mit Linda Lackner.

 

Kollaborationen mit:

Jorge Almazan und Urban Subjects (Sabine Bitter, Jeff Derksen, Helmut Weber).

 

Arbeiten von:

Bêka & Lemoine, Helen Knowles, Marlene Maier.

 

Weitere Beiträge von:

Ryo Abe, Edwina Hörl & SO-BA, John Cheney-Lippold, Esperanza Miyake, Peter Mörtenböck & Helge Mooshammer, Lina Morawetz, Roman Seidl, Astrid Seme, Felix Stalder, Eszter Steierhoffer, Wolfgang Thaler, Roemer van Toorn, Ignacio Valero, Sarah Widmer

 

Film screening und Künstleringespräch mit Helen Knowles: 10.1.2019, 19.00

Helen Knowles: The Trial of Superdebthunterbot (2016; 45min)

 

 

Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality ist das erste Kapitel einer Reihe von sogenannten Verräumlichungen: Vorschläge und Spekulationen über die Relationen zwischen Subjektivität und Raum in Zeiten der Digitalisierung. Es geht um eine Form der Urbanität, bei der sich der ständige Ruf nach Selbstoptimierung und Leistung mit den algorithmischen Formen der (In)Dividualisierung überschneidet.

 

Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality beschäftigt sich mit architektonischen und urbanen Phänomenen, die symptomatisch für eine zunehmend dividuale Form zeitgenössischer Subjektivität sind. Dividuale Räume stellen eine grundlegende Transformation von Raumkonzepten dar, wobei geteilte und teilbare Räume den „Prosumer“-Subjekten und ihren verschiedenen Rollen entsprechen, die zunehmend algorithmisch vorbestimmt erscheinen.

Yoshiharu Tsukamoto und Jorge Almazan definierten Dividual Spaces als temporäre und kommerzielle Orte eines „on-demand“ Zugangs, die von räumlicher Unterteilung und der Auslagerung einer Vielzahl vormals privater Funktionen geprägt sind: marktförmige und permanent überwachte, bewertete, modulierte und zunehmend algorithmisch gestaltete Architekturtypologien.

Das Phänomen der räumlichen Teilbarkeit ist Teil einer grundlegenden Neugestaltung städtischer Umgebungen, die durch Neoliberalismus, Verschuldungsökonomie und die Kultur einer technologiebasierten Antizipation definiert sind. Die damit produzierten Lücken und Risse in der Gesellschaft manifestieren sich zunehmend in extremen Unterschieden architektonischer Zugangsmöglichkeiten.

 

Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality versammelt Elemente der Forschung, Recherche, künstlerische Produktionen sowie räumliche Settings, um einem notwendigen Diskurs über zeitgenössische urbane Fragen eine Plattform zu geben sowie zu verräumlichen.

Spatialization 1 at halfway

9.1. – 19.1.2019

Halbgasse 3-5, 1070 Vienna

Opening: 8.1.2019, 7 pm

Opening hours:  Wednesday – Saturday, 3 pm to 6 pm

 

 

Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality is the first chapter of "Curating the Urban. On Spatializing Urban Conditions”. A project by Christina Nägele, Heidi Pretterhofer and Christian Teckert with Linda Lackner.

 

Collaborations with:

Jorge Almazan and Urban Subjects (Sabine Bitter, Jeff Derksen, Helmut Weber).

 

Works by:

Bêka & Lemoine, Helen Knowles, Marlene Maier.

 

Further contributions by:

Ryo Abe, Edwina Hörl & SO-BA, John Cheney-Lippold, Esperanza Miyake, Peter Mörtenböck & Helge Mooshammer, Lina Morawetz, Roman Seidl, Astrid Seme, Felix Stalder, Eszter Steierhoffer, Wolfgang Thaler, Roemer van Toorn, Ignacio Valero, Sarah Widmer.

 

Film screening and artist talk with Helen Knowles: 10.1.2019, 7 pm

Helen Knowles: The Trial of Superdebthunterbot (2016; 45min)

 

 

Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality deals with architectural and urban phenomena which are symptomatic of an increasingly dividual form of contemporary subjectivity. Dividual Spaces represent a fundamental transformation of spatial concepts, where divided and divisible spaces correspond to "prosumer" subjects and their multiple roles, which increasingly seem to be algorithmically pre-determined.

Yoshiharu Tsukamoto and Jorge Almazan defined Dividual Spaces as characterized by temporal and commercial on-demand access, spatial compartmentalization and the outsourcing of a multiplicity of formerly private functions, resulting in market-driven and permanently monitored, evaluated, modulated and increasingly algorithmically designed architectural typologies. The phenomenon of spatial dividuality is part of a fundamental re-structuring of urban environments defined by neo-liberalism, an economy of debt, and a culture of technology-based anticipation. The subsequent radical gaps and fissures in society increasingly manifest themselves in sometimes extreme difference in (access to) architectural space.

 

Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality gathers elements of research, investigation, artistic productions, spatial settings in an attempt to create a platform and spatialize a discourse on contemporary urban questions.

Preview am 12.10.2018

halfway ist ein Ort der Verräumlichung akuter urbaner Phänomene; ein Raum, in dem mit Methoden künstlerischer Forschung eine Praxis des urbanen Kuratierens realisiert wird; ein Labor, in dem gesellschaftliche Zusammenhänge in Gestaltung übersetzt werden.

 

Am 12.10.2018 laden wir zur Preview. Von 12:00 mittags bis 10:00 abends steht halfway offen für Gespräche, Begehungen, Anspielungen, Auseinandersetzungen und Einblicke.

 

10 Stunden die wir gerne mit Dir teilen!

 

Auf euren Besuch freuen sich

Linda Lackner, Christina Nägele, Heidi Pretterhofer, Christian Teckert

Dividuality

Subjects

   of

of

Subjects

Dividuality

Economy

of Architecture

Architecture of Economy

Migration of Forms

Forms of Migration

halfway, Jänner 2019, © Wolfgang Thaler

halfway ist ein Ort der Verräumlichung akuter urbaner Phänomene; ein Raum, in dem mit Methoden künstlerischer Forschung eine Praxis des urbanen Kuratierens realisiert wird; ein Labor, in dem gesellschaftliche Zusammenhänge in Gestaltung übersetzt werden. Raumproduktion verstanden als dialogische Form des Zeigens und Ausstellens ist dabei ein entscheidender Aspekt der Forschung und Wissensproduktion.

 

In der mehrteiligen Projektreihe „Über das Verräumlichen urbaner Verhältnisse“ werden in halfway die räumlichen Auswirkungen eines kognitiven Kapitalismus untersucht, der durch immaterielle Arbeit, Deregulierung und prekäre Identitätsvorstellungen geprägt ist. Die entsprechende urbane Form ist die der projekbasierten Polis, in der sich der permanente Aufruf zur Selbstoptimierung und Performanz mit den algorithmischen Figuren der (In)Dividualisierung vermengt.

 

Dazu werden drei miteinander verzahnte urbane Phänomene erforscht, die als Fallstudien in Wien, Tokio und Vancouver mit ForschungspartnerInnen analysiert werden. Der Forschungs-Diskurs wird in kumulative, aufeinander aufbauende Verräumlichungen übersetzt. Diese fungieren dabei nicht nur als Displays, sondern als (Ver)Handlungs-Plattformen, die im Zuge der diskursiven Arbeit wiederholt rekonfiguriert werden. Mit dieser kuratorischen Methode ist eine partizipatorische Form der Wissensproduktion angelegt, die auf einer Gemengelage von verräumlichten Argumenten von verschiedenen AkteurInnen aus den Feldern Urbanismus, Kunst, Architektur, sowie auf punktuellen Interventionen von AkteurInnen aus heterogenen Wissensbereichen aufbaut.

 

Bei Interesse an einer Besichtigung freuen wir uns über Ihre Nachricht per Email an info@halfway.at oder melden Sie sich für Infos zu Veranstaltungen für den Newsletter an.

Raum und Display

Veranstaltungen

On Spatializing Urban Conditions

 

Für halfway wurde von Linda Lackner, Christina Nägele, Heidi Pretterhofer und Christian Teckert ein räumliches Setting und Display erarbeitet, das als Forschungswerkzeug für das Projekt „Curating The Urban. On Spatializing Urban Conditions“ fungiert. Dieses künstlerisch-wissenschaftliche Forschungsprojekt läuft über einen Zeitraum von zwei Jahren und wird vom FWF (PEEK) gefördert. Es ist an das Institut für Kunst und Architektur der Akademie der Bildenden Künste Wien gekoppelt. Der Ort – halfway – dient als Bühne eines laborartigen Urbanismus, in dem drei Facetten des Diskurses um die architektonischen und urbanen Verwerfungen des kognitiven Kapitalismus und seiner immateriellen und digitalen Kultur räumlich übersetzt werden.

 

Dazu werden in Kooperation mit den Forschungspartnern Jorge Almazan (Tokio) sowie Urban Subjects (Vancouver) urbanistische Fallbeispiele, architektonische Typologien und kulturelle Symptome untersucht: Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality, Migration of Forms / Forms of Migration, Economy of Architecture / Architecture of Economy.

 

In den Verräumlichungen wird versucht, das Verhältnis zwischen Stadt und der Produktion des sozialen Raums als Dimension des kognitiven Kapitalismus darzustellen. Künstlerische und urbanistische Strategien werden dabei zu einer Methode des „urbanen Kuratierens“ zusammengeführt.

Raum und Display

Der Raum halfway ist gleichzeitig ein Ort des Zeigens/Repräsentierens und des Agierens/Produzierens. Das Display bildet dabei eine entscheidende Zone der Interaktion, Kommunikation und Performanz. Die Elemente im Raum sind allesamt aus vorgefundenen Parametern der Architektur übernommen und transformiert worden. Der Komplex, in dem halfway lokalisiert ist, verkörpert eine Idee von Räumlichkeit, in der genau jene gesellschaftliche Formation in den Grundzügen ihr Bild annimmt, die wir untersuchen: Die auf immaterielle Arbeit setzende Ökonomie des kognitiven Kapitalismus, an deren Beginn nicht zufällig die Themen Raster, Kybernetik, Modulation entscheidende Momente der Gestaltung waren.

 

Aus dem Raster der Deckenelemente in halfway wurde eine Reihe von „Derivaten“ entwickelt, die als Trägerfiguren für die Inhalte unserer Verräumlichungen stehen. Mit Spiegelfolie überzogene Kartonplatten, schwarz gefärbtes MDF sowie mit Farbfeldern markierte Holzkisten stellen das primäre Arbeitsmaterial im Raum halfway dar, mit dem sukzessive an räumlichen Settings gearbeitet wird. Diese wiederum sind als Kommunikationswerkzeuge zu verstehen, die als Einladung zum Diskurs und zur Vermittlung dienen.

halbgasse 3-5, 1070 Wien

Verräumlichung als Methode

"Wo sind die (...) Werkzeuge, mit denen sich die widersprüchliche und kontroverse Natur von uns angehenden Sachen repräsentieren lässt?"

-­ Bruno Latour

 

Latour weist hier auf die zunehmende Bedeutung von Gestalterinnen und Gestaltern in der zeitgenössischen Gesellschaft hin, denen die entscheidende Fähigkeit zugesprochen wird, komplexe soziale und kulturelle Zusammenhänge kartieren und visualisieren zu vermögen. Er stellt damit auch eine grundlegende Forderung an Design und speziell an die Architektur in den Raum: Dass es nämlich angesichts einer grundlegenden Krise der Repräsentation der Komplexität der Gegenwart (und ihrer krisenhaften Ökonomie) darum gehen müsste, speziell ihre Widersprüche darzustellen. Im Sinne einer anderen Form der Kritik, die sich nicht primär textbasiert, sondern als Problem der Gestaltung darstellt.

Modellhafte, metaphorische und konkrete Anordnungen im Raum sind das Medium der urbanistischen Produktion, die halfway anstrebt. Das Format der Ausstellung wird dabei als Labor und Bühne genauso wie als Ort des Zeigens gedacht, in dem sich Diskurse räumlich abbilden und damit begehbar und verhandelbar werden.

 

Historisch bezieht sich halfway in den Methoden der Verräumlichung auf Methoden der Avantgarden des frühen 20. Jhdts wie etwas das konstruktivistische Labor, dessen Verfahrensweisen in die grundlegend veränderten Bedingungen der Gegenwart transferiert werden sollen. Hier existierte (zumindest für eine begrenzte Zeit) in den russischen Kollektiven von Kulturproduzenten der 1920er Jahre ein Modell, in dem die prototypische Dialektik zwischen Kunst als Teil des Lebens (Art into Life) sowie der Idee der Autonomie des Kunstwerks aufgehoben schien. Die laboratory works der Konstruktivisten waren experimentelle "formal exercises undertaken nor for their own sake but as research for future instrumental uses".

– Peter Osborne, 2013

Performative Situation mit Anita Fuchs und Sonia Leimer

12. April 2019, 19:00 Uhr

halfway – Halbgasse 3-5, 1070 Wien

Lecture Weltraumsalat von Sonia Leimer und Präsentation der Arbeit Traveller's Tree von Anita Fuchs.

Foto: Anita Fuchs

Foto: Ingo Wagner, dpa/picturedesk.com

Sonia Leimer – Weltraumsalat

In ihrer Lecture wird Sonia Leimer einen Bogen von Weltraummüll und zukünftiger Landwirtschaft über die Meraner Apfelkrone bis hin zum Verschwinden von Little Italy in New York spannen. Entlang dieses breit angelegten Themenspektrums wird sichtbar, wie Formen und Objekte aus verschiedenen kulturellen und historischen Kontexten migrieren, sich verändern und dadurch gesellschaftliche und räumliche Veränderungen sichtbar machen.

Anita Fuchs – Traveller's Tree

Die Arbeit Traveller's Tree verknüpft und verformt drei unterschiedliche Bepflanzungen und deren Habitate: ein überpflegtes "Stadtwäldchen" im Gebäudekomplex halfway in Wien, einen Baum der Reisenden aus einer Küstenregion Mexikos und ein Waldstück als Outdoor-Arbeitsort an der österreichisch-ungarischen Grenze. In dieser eigenwilligen Überlagerung werden die Pflanzen selbst zu Protagonisten und erzählen von modischen, ästhetischen und politischen Verhältnissen.

* Anita Fuchs ist Teil des Künstlerinnenduos RESANITA. Ihre Projekte starten oft mit einem aktionistischen Ansatz: Roadtrips zum Zwecke des Pflanzentransfers durch mehrere Staaten, Transport von ganzen Bäumen aus einer Forschungsstation oder die Bestellung eines Feldes mit historischem Saatgut. Diese Aktionen sind mit gegenwärtigen Themen der Gesellschaft wie Klimawandel, Terror, Migration, Geschichte, Ökonomie und Politik verbunden. Ebenso Teil der konzeptuellen Arbeitsweise ist ein wissenschaftlich-forschendes Streben und manchmal jahrelanger Austausch mit internationalen Institutionen. Immer wieder spielt die Natur eine bedeutende Rolle.

www.resanita.at

* Sonia Leimer, geboren 1977 in Meran, lebt und arbeitet in Wien. Sonia Leimer verhandelt in ihrer Arbeit Fragen nach den Grundlagen unserer Wahrnehmung, die sich auf der Basis individueller, historischer und medial geprägter Erfahrungsmuster bilden. Räume und Objekte, die in konkreten historischen Zusammenhängen entstanden sind, erfahren dabei eine Transformation, die Geschichte und gesellschaftlichen Wandel erfahrbar macht.

Sie studierte Architektur an der Technischen Universität und der Akademie der bildenden Künste Wien. Von 2005 bis 2012 monatliche Radiosendung "Image and the City" bei Radio Orange.  2012 – 2016 Lehrauftrag an der Akademie der bildenden Künste Wien. Leimer stellte ihre Arbeiten international aus, unter anderem im Mumok, Museum Moderner Kunst Wien; Leopold Museum, Wien; Galerie nächst St. Stephan, Wien; Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen; Barbara Gross Galerie, München; Los Angeles Museum of Art; 5th Moscow Biennial; artothek, Köln; Museion, Bozen; MAK Center for Art and Architecture, Los Angeles; BAWAG Contemporary, Wien; und Manifesta 7, Rovereto. 2018 erhielt sie den Italian Art Council Prize.

www.sonialeimer.net

Imaginary Display(s)

29. März 2019, 19 Uhr

Halbgasse 3-5, 1070 Wien

Screening des Films Imaginary Display(s) von Marie-France Rafael mit der Performance I call it a museum von Romain Gandolphe und anschließendem Gespräch.

Exhibition view Imaginary Display(s) – Exhibition as Film / Film as Exhibition, 2018 [Philipp Gufler, Romankreisen (Detail), 2017, Courtesy: BQ, Berlin; Klaus vom Burch, Voodoo Tapete, 2014; Kalas Liebfried, Ambient Variation for a Bunker (Detail), 2018; Richard John Jones & Camilla Wills, Borrowed Body] Photo: Dominik Gigler

Am 29.3.2019 wird die Kunsthistorikerin/Kuratorin Marie-France Rafael mit dem Künstler Romain Gandolphe in einem performativen Dialog ihre Ausstellung Imaginary Display(s) – Exhibition as Film / Film as Exhibition, die 2018 im BNKR München stattfand thematisieren. Als Ausgangspunkt für eine Diskussion zeitgenössischer Methoden künstlerischen Forschens und Produzierens im räumlichen Kontext von Ausstellungen.

Künstlerische Displays im Ausstellungskontext dienen nicht einfach der Anordnung oder Installation von Objekten im Raum, sondern der Konstruktion von Situationen. Dabei bestimmt die Frage der (Re-)Präsentierbarkeit bereits den Entstehungsprozess der Arbeit: Denn es wird eine Präsentations-Situation geschaffen, in der sowohl das, was das Display zeigt, als auch, wie es gezeigt wird (also die Effekte des Displays), ausgestellt werden. Dies ist eine von Marie-France Rafaels Hauptthesen ihrer Monographie Reisen ins Imaginativ. Künstlerische Displays und Situationen, die sie dazu geführt haben, in Erweiterung ihrer theoretischen Reflexionen, eine performative Ausstellung zu realisieren: Imaginary Display(s) – Exhibition as Film / Film as Exhibition im BNKR München (im Rahmen von Stop making sense, it’s as good as it gets.: einem 15-monatigen Programm von Ludwig Engel und Joanna Kamm).

Marie-France Rafael wird ihre Überlegungen vorstellen und einen Einblick in die Ausstellung geben, welche all das präsentiert, was normalerweise vor dem Blick des Zuschauers verborgen bleibt: den Entstehungsprozess einer Ausstellung und die Produktion eines Films. In einem rekursiven Gestus werden die Ausstellung und der Film zu Elementen, die in immerzu neu angeordneten, dynamischen Konstellationen in Zeit und Raum rekombiniert werden. Hierfür hat sie den Künstler Romain Gandolphe eingeladen, der schon in der Ausstellung in München mitgewirkt hat.

Für seine Performance I call it a museum wird Romain Gandolphe die Topografie eines imaginären Museums ohne Türen beschreiben, aus dem man nicht entkommen kann. Er wird also nach einem Ausweg suchen, durch die vorhandenen Arbeiten und das Mobiliar.

*Marie-France Rafael ist promovierte Kunsthistorikerin. Sie studierte Kunstgeschichte und Filmwissenschaften in Berlin und Paris. Von 2011 bis 2014 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Sonderforschungsbereich 626 „Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste“ der Freien Universität Berlin. Zurzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Muthesius Kunsthochschule Kiel im Bereich Raumstrategien und lehrt regelmäßig an der Kunstakademie Münster. Kürzlich erschien ihre Monographie Reisen ins Imaginativ. Künstlerische Displays und Situationen (Köln: Walther König, 2017). Weitere Publikationen umfassen Ari Benjamin Meyers. Music on Display (Köln: Walther König, 2016) und Pierre Huyghe. On Site (Köln: Walther König, 2013).

*Nach einem wissenschaftlichen Studium absolvierte Romain Gandolphe die École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Lyon (Frankreich), wo er nun im Rahmen des Projekts Post-Performance-Zukunft forscht. Führungen, Reiseberichte oder imaginäre Ausstellungen sind Teil der Sprechperformances sowie der Performance-Kunst von Gandolphe, in die er Fragen zu Erinnerung und Storytelling einflechtet. Kürzlich präsentierte er seine Arbeiten im Centre Pompidou (Paris), im M Museum (Leuven), in Nahmad Projects (London) und in Form von Einzelausstellungen.

Imaginary Display(s)

March 29, 2019, 7 pm

halfway, Halbgasse 3-5, 1070 Vienna

Screening of Imaginary Display(s) by Marie-France Rafael with the performance I call it a museum by Romain Gandolphe, followed by a roundtable talk.

Exhibition view Imaginary Display(s) – Exhibition as Film / Film as Exhibition, 2018 [Philipp Gufler, Romankreisen (Detail), 2017, Courtesy: BQ, Berlin; Klaus vom Burch, Voodoo Tapete, 2014; Kalas Liebfried, Ambient Variation for a Bunker (Detail), 2018; Richard John Jones & Camilla Wills, Borrowed Body] Photo: Dominik Gigler

On March 29 art historian/curator Marie-France Rafael will address her exhibition Imaginary Display(s) – Exhibition as Film / Film as Exhibition, that took place at BNKR Munich in 2018, in a performative dialogue together with the artist Romain Gandolphe. This is the starting point for a discussion on contemporary methods of artistic research and the spatial production of the “exhibition”.

Contemporary exhibitions present artistically constructed situations and displays. Thus, we encounter more and more often an art that has adopted the character of a display i.e. of a display situation. The display itself becomes then a work-constituent and perception-processual prerequisite as well as precondition to the artistic process. This is one of Marie-France Rafael main theses in her latest monograph Reisen ins Imaginativ. Künstlerische Displays und Situationen, that led her now to expand her theoretical research into the realization of a performative exhibition: Imaginary Display(s) – Exhibition as Film / Film as Exhibition at BNKR Munich (as part of Stop making sense, it’s as good as it gets.: a 15month long program developed by Ludwig Engel and Joanna Kamm).

Marie-France Rafael will present her thoughts and give an insight into the exhibition that puts on display everything that is usually hidden from the audience: the development process of an exhibition and the production of a film. In a recursive gesture exhibition and film are turned into elements thus creating new situations in time and space. For this she invited the artist Romaine Gandolphe, who already participated in the exhibition in Munich.

For his performance I call it a museum, Romain Gandolphe will describe the topography of an imaginary museum built without any door and from which we can’t exit. He will then seek to think of another way out, inventing new passages through the works and furniture.

*Marie-France Rafael holds a Ph.D in Art History. She studied Art History and Film Studies in Berlin and Paris. From 2011 to 2014 she was a research associate at the Collaborative Research Center 626: Aesthetic Experience and the Dissolution of Artistic Limits at the Free University Berlin. Currently she is a research associate at the Muthesius University Kiel, Department of Spatial Strategies and she lectures at the Academy of Fine Arts Münster. Recently her monograph Reisen ins Imaginativ. Künstlerische Displays und Situationen (Köln: Walther König, 2017) was published. Other publications include Ari Benjamin Meyers. Music on Display (Köln: Walther König, 2016) and Pierre Huyghe. On Site (Köln: Walther König, 2013).

*After scientific studies, Romain Gandolphe graduated from the National School of Fine Arts in Lyon (France) where he is now a researcher among the Post-Performance Future group. Through speech and language, he works on notions such as memory and storytelling, proposing performances in the form of guided tours, travel writing and imaginary exhibitions. He has recently presented his work at Centre Pompidou (Paris), M Museum (Leuven), Nahmad Projects (London) and at the occasions of solo exhibitions.

halfway, November 2018, © Wolfgang Thaler

Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality ist das erste Kapitel von „Curating the Urban. On Spatializing Urban Conditions”. Ein Projekt von Christina Nägele, Heidi Pretterhofer und Christian Teckert mit Linda Lackner.

Kollaborationen mit:

Jorge Almazan und Urban Subjects (Sabine Bitter, Jeff Derksen, Helmut Weber).

Arbeiten von:

Bêka & Lemoine, Helen Knowles, Marlene Maier.

Weitere Beiträge von:

Ryo Abe, Edwina Hörl & SO-BA, John Cheney-Lippold, Esperanza Miyake, Peter Mörtenböck & Helge Mooshammer, Lina Morawetz, Roman Seidl, Astrid Seme, Felix Stalder, Eszter Steierhoffer, Wolfgang Thaler, Roemer van Toorn, Ignacio Valero, Sarah Widmer.

Film screening und Künstleringespräch mit Helen Knowles: 10.1.2019, 19.00

Helen Knowles: The Trial of Superdebthunterbot (2016; 45min)

 

 

Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality ist das erste Kapitel einer Reihe von sogenannten Verräumlichungen: Vorschläge und Spekulationen über die Relationen zwischen Subjektivität und Raum in Zeiten der Digitalisierung. Es geht um eine Form der Urbanität, bei der sich der ständige Ruf nach Selbstoptimierung und Leistung mit den algorithmischen Formen der (In)Dividualisierung überschneidet.

 

Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality beschäftigt sich mit architektonischen und urbanen Phänomenen, die symptomatisch für eine zunehmend dividuale Form zeitgenössischer Subjektivität sind. Dividuale Räume stellen eine grundlegende Transformation von Raumkonzepten dar, wobei geteilte und teilbare Räume den „Prosumer“-Subjekten und ihren verschiedenen Rollen entsprechen, die zunehmend algorithmisch vorbestimmt erscheinen.

Yoshiharu Tsukamoto und Jorge Almazan definierten Dividual Spaces als temporäre und kommerzielle Orte eines „on-demand“ Zugangs, die von räumlicher Unterteilung und der Auslagerung einer Vielzahl vormals privater Funktionen geprägt sind: marktförmige und permanent überwachte, bewertete, modulierte und zunehmend algorithmisch gestaltete Architekturtypologien.

Das Phänomen der räumlichen Teilbarkeit ist Teil einer grundlegenden Neugestaltung städtischer Umgebungen, die durch Neoliberalismus, Verschuldungsökonomie und die Kultur einer technologiebasierten Antizipation definiert sind. Die damit produzierten Lücken und Risse in der Gesellschaft manifestieren sich zunehmend in extremen Unterschieden architektonischer Zugangsmöglichkeiten.

 

Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality versammelt Elemente der Forschung, Recherche, künstlerische Produktionen sowie räumliche Settings, um einem notwendigen Diskurs über zeitgenössische urbane Fragen eine Plattform zu geben sowie zu verräumlichen.

Spatialization 1 at halfway

9.1. – 19.1.2019

Halbgasse 3-5, 1070 Vienna

Opening: 8.1.2019, 7 pm

Opening hours:  Wednesday – Saturday, 3 pm to 6 pm

 

Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality is the first chapter of „Curating the Urban. On Spatializing Urban Conditions”. A project by Christina Nägele, Heidi Pretterhofer and Christian Teckert with Linda Lackner.

Collaborations witht:

Jorge Almazan und Urban Subjects (Sabine Bitter, Jeff Derksen, Helmut Weber).

Works by:

Bêka & Lemoine, Helen Knowles, Marlene Maier.

Further contributions by:

Ryo Abe, Edwina Hörl & SO-BA, John Cheney-Lippold, Esperanza Miyake, Peter Mörtenböck & Helge Mooshammer, Lina Morawetz, Roman Seidl, Astrid Seme, Felix Stalder, Eszter Steierhoffer, Wolfgang Thaler, Roemer van Toorn, Ignacio Valero, Sarah Widmer.

Film screening and artist talk with Helen Knowles: 10.1.2019, 7 pm

Helen Knowles: The Trial of Superdebthunterbot (2016; 45min)

 

 

Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality deals with architectural and urban phenomena which are symptomatic of an increasingly dividual form of contemporary subjectivity. Dividual Spaces represent a fundamental transformation of spatial concepts, where divided and divisible spaces correspond to "prosumer" subjects and their multiple roles, which increasingly seem to be algorithmically pre-determined.

Yoshiharu Tsukamoto and Jorge Almazan defined Dividual Spaces as characterized by temporal and commercial on-demand access, spatial compartmentalization and the outsourcing of a multiplicity of formerly private functions, resulting in market-driven and permanently monitored, evaluated, modulated and increasingly algorithmically designed architectural typologies. The phenomenon of spatial dividuality is part of a fundamental re-structuring of urban environments defined by neo-liberalism, an economy of debt, and a culture of technology-based anticipation. The subsequent radical gaps and fissures in society increasingly manifest themselves in sometimes extreme difference in (access to) architectural space.

 

Dividuality of Spaces / Spaces of Dividuality gathers elements of research, investigation, artistic productions, spatial settings in an attempt to create a platform and spatialize a discourse on contemporary urban questions.

Preview am 12.10.2018

halfway ist ein Ort der Verräumlichung akuter urbaner Phänomene; ein Raum, in dem mit Methoden künstlerischer Forschung eine Praxis des urbanen Kuratierens realisiert wird; ein Labor, in dem gesellschaftliche Zusammenhänge in Gestaltung übersetzt werden.

 

Am 12.10.2018 laden wir zur Preview. Von 12:00 mittags bis 10:00 abends steht halfway offen für Gespräche, Begehungen, Anspielungen, Auseinandersetzungen und Einblicke.

 

10 Stunden die wir gerne mit Dir teilen!

 

Auf euren Besuch freuen sich

Linda Lackner, Christina Nägele, Heidi Pretterhofer, Christian Teckert