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Architecture of Economy

halfway im Frühling 2019

Migration of Forms / Forms of Migration thematisiert Austauschverhältnisse und damit jene Dimension, die eine grundlegende Voraussetzung für heutige (dividuale) Subjektivität und Räumlichkeit darstellt. In der parallelen Betrachtung von architektonischen und urbanen Formen als Symptome für transkulturelle Transfers sowie den damit im Abgleich stehenden Identitätsentwürfen, die zunehmend hybrider Natur sind, werden hier Aneignungsmöglichkeiten und eine damit verbundene Temporalität untersucht.

more about Migration of Forms / Forms of Migration

Prop-Talk 3 mit Christian Berkes (botopress)

Space Junk – Sonia Leimer

Traveller's Tree – Anita Fuchs

MIGRANT JOURNAL Michaela Büsse

T-Serai – Azra Akšamija / The Future Heritage Lab (MIT)

Hide and Seek – Ryo Abe

Q&A zu Migration of Forms / Forms of Migration

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Mit der Untersuchung der transkulturellen Verbreitung architektonischer und städtischer Typologien thematisierte halfway die zeitgenössischen Auswirkungen von Migration auf den städtischen Raum. Seit der frühen Moderne ist der Austausch von architektonischen Typen, Symbolen oder Formen ein konstitutiver Bestandteil des Urbanismus. Obwohl bisher nur beiläufig analysiert, halten wir es für entscheidend, dieses Thema parallel zur Frage der Migration von Individuen zu untersuchen.

 

Spricht man gegenwärtig von der Migration von Formen, muss man jenseits der Übertragung von ästhetischen Codes, formalen Sprachfamilien und gestalterischen Stilen vor allem auf jene Plattformen blicken, die in ihrer Produktion von „Geschmack“ so wirkungsmächtig wurden, dass mittlerweile ein durch globale Bildproduktion getriebener Raumtypus greifbar scheint: Der „Airspace“ (Kyle Chayka). Diese Migration und Proliferation von Stilen, die mit Begriffen wie „shabby chic“, „post-industriell“ oder „hand-crafted“ nur unzureichend beschreibbar sind, beruht auf einer Harmonisierung und Angleichung einer globalen Ästhetik, die nicht zuletzt von Algorithmen produziert werden: Apps wie Foursquare, Instagram oder Pinterest, aber auch Airbnb und WeWork definieren dabei zusehends die Gestaltungskriterien der Räume der Gegenwart. Die damit einhergehenden „Filter-Bubbles“ tun ihr Übriges, um bestimmte Stadtteile, die von entsprechenden Szenen frequentiert werden, in immer kürzeren Rhythmen homogenisierend zu überformen. Diese Form der digital intensivierten Gentrifizierung und Homogenisierung ist zentraler Bestandteil einer Idee von Architektur bzw. Stadt als Anordnung von (digitalen) Infrastrukturen, räumlichen Trägerfiguren für austauschbare Bilder, Oberflächen, Programme, Daten und Protokolle.

 

Wie weit diese Idee von Raum schon direkt in die architektonische Produktion von Raum eingedrungen ist, zeigen historisch betrachtet die Untersuchungen von Orit Halpern oder Keller Easterling, aber auch die aktuell laufenden Planungen von Alphabet’s Stadtentwicklungsprojekt „Quayside“ in Toronto, wo diese Konzeption von Architektur bereits im Entwurfs- und Entwicklungsstadium ihre modulierenden, reaktiven, dividualisierenden Qualitäten performt: Gebäudestrukturen, die von nahtlosen Übergängen zwischen Innen und Außen geprägt sind, ermöglicht durch sensorgesteuerte adaptive Rahmenwerke, die je nach Jahreszeit oder Marktkurve umprogrammiert werden können. Die auf Google’s Big Data Analysen aufbauenden Annahmen der Vorhersagbarkeit (in)dividueller Wünsche und Vorlieben werden hier als eine primäre Gestaltungsstrategie eingesetzt. Reibungslosigkeit und Fugenlosigkeit gehen Hand in Hand mit einer Bildpolitik, die selbstredend auf den Prinzipien des Airspace basiert:

 

„The frictions, tensions, and irregularities of the urban environment are replaced with (theoretically) smoothly interlocking systems of innovative equilibrium. And the role of the citizen is whittled down into that of a producer of data for invisible systems to crunch.“

– Molly Sauter

 

Angesichts dieser Ausdehnung von Ästhetik und Form als modulierbares und rekonfigurierbares Bild in der Architektur und Raumproduktion stellt halfway die Frage, wodurch sich diese Hegemonien heute im Raum manifestieren. Nachdem die Ideologie der Entsprechung von Form und Inhalt, von Gestaltung und Haltung durch obige Entwicklungen hoffnungslos verbraucht erscheint, versucht halfway jene Politiken in künstlerischen Formaten des Übertrags, der Übersetzung, der Dislokalisierung zu untersuchen, die sich den homogenisierenden Logiken des Airspace widersetzen und auf eine Materialität der Form als Platzhalter für widerständige Prozesse bestehen.

 

Es erscheint uns angesichts der Proliferation von Formaten und Verfahrensweisen der Migration in einer globalisierten Welt von eminenter Bedeutung, nach den Bruchlinien, Widersprüchen sowie den neuen Inselbildungen zu fragen, die ein Nebeneffekt der scheinbar alternativlosen und bruchlosen post-politischen Stadt zu sein scheinen.

 

Dazu wurde Prop-Talk 3 mit Christian Berkes durchgeführt, der sich mit den disruptiven Effekten von Plattformen wie Airbnb auf urbane Räume, aber auch auf die Entstehung neuer Ästhetiken in diesem Zusammenhang beschäftigt hatte. Mit dem Begriff des Airspace ist hier eine der ersten Beschreibungsfiguren für eine neue Form des post-politischen fugenlosen Raums entstanden, der seine Grenzziehungen strukturell verschleiert und bisweilen unsichtbar macht, jedoch umso mehr einer im Hintergrund kalkuliert ablaufenden Verwertungslogik unterliegt.

In ihrem Vortrag Weltraumsalat spannte Sonia Leimer einen Bogen von Weltraummüll, über künstlich gezüchteten „Weltraumsalat“ bis hin zur Transformation der Meraner Apfelkrone. Entlang dieses breit angelegten Themenspektrums wurde sichtbar, wie Formen und Objekte aus verschiedenen kulturellen und historischen Kontexten migrieren, sich verändern und dadurch gesellschaftliche und räumliche Veränderungen sichtbar machen.

 

Sonia Leimers Skulptur Space-Junk (38), die Teil des räumlichen Settings in halfway war, basiert auf dem Duplikat eins Weltraumschrotts, der 2001 in Saudi-Arabien aufgeschlagenen war. In diesem unkontrollierten Zusammenprall von Materie wird die Struktur der geopolitischen Machtverhältnisse genauso sichtbar wie das paradoxe physische Gewicht der globalen Infrastrukturen zur Herstellung der scheinbar so reibungslosen und immateriellen Netzwerke unserer digitalen Umgebungen.

Die Arbeit Traveller's Tree (34) von Anita Fuchs verknüpft und verformt drei unterschiedliche Bepflanzungen und deren Habitate: ein überpflegtes „Stadtwäldchen“ im Gebäudekomplex halfway, einen Baum der Reisenden aus einer Küstenregion Mexikos und ein Waldstück als Outdoor-Arbeitsort an der österreichisch-ungarischen Grenze. In dieser eigenwilligen Überlagerung werden die Pflanzen selbst zu Protagonisten und erzählen von modischen, ästhetischen und politischen Verhältnissen.

Die Komplexität der Wechselwirkungen zwischen Migration und Form wurde im Gespräch mit Michaela Büsse von MIGRANT JOURNAL erörtert. MIGRANT versteht sich als Projekt, das diesen Themenkomplex transdisziplinär aus bewusst heterogenen Perspektiven betrachtet. Als Argument gegen simplifizierende Konzepte von Authentizität, Originalität oder Identität wird hier ein Kosmos der Hybridbildungen quer durch alle Genres porträtiert.

 

Die Tapisserie T-Serai (33), ein Prototyp von Textile Systems for Engagement and Research in Artistic Impact wurde von Azra Akšamija in Zusammenarbeit mit The Future Heritage Lab (MIT) zur Verfügung gestellt. T-Serai skizziert einen kulturellen Ansatz für humanitäre Interventionen durch die Schaffung von modularen Tapisserien, die zu mobilen kulturellen Schutzräumen zusammengefügt werden können. Diese Wandteppiche werden in Workshops hergestellt, die darauf abzielen, den transkulturellen Austausch und die Zusammenarbeit mit vertriebenen Gemeinschaften zu fördern. Historische Muster und Textilhandwerke werden in der „Reverse Appliqué“-Technik mit recycelter Kleidung neu interpretiert. Die Überproduktion der globalen Textilindustrie wird als Ressource für neue Formen der Kulturerhaltung angesehen: Die T-Serai-Wandteppiche können zur Speicherung, Isolierung und Aufzeichnung persönlicher Erinnerungen verwendet werden.

T-Serai Azra Akšamija / The Future Heritage Lab (MIT)

August 2019 © Wolfgang Thaler

Ryo Abe entwickelte eine ortspezifische Arbeit Hide and Seek (32), die mit den Überträgen und Übersetzungen der architektonischen Formen des Mixed-Use-Komplexes Halbgasse 3-5 in das Display-System von halfway operiert. Das konstruierte Bild, das den Blick von Innen nach Außen (Landschaft/Natur) repräsentiert und vice versa von Außen nach Innen (Schaufenster/Display) wird hier einem reflexiven Wechselverhältnis unterworfen: Das Gesehene wird als verpixelte Landschaft wahrgenommen. Ein digitaler Modus des Sehens interveniert in der Ökonomie des Sehens/des Blickes und benutzt dabei die symptomatisch modulare und generische Form des Quadrats bzw. des Pixels.

Hide and Seek – Ryo Abe

August 2019 © Wolfgang Thaler

Q&A zu Migration of Forms / Forms of Migration

Zu den drei Kapiteln werden Fragen an eine interdisziplinäre, spezifisch ausgewählte Gruppe von Akteurinnen und Akteuren versendet.

 

4

In welchem Raum, in welcher Architektur sehen Sie die Dimension der Migration von Formen verkörpert?

Oliver Elser

Andreas Fogarasi

Lina Morawetz

Lina Morawetz

Peter Volgger

Migration of Forms / Forms of Migration thematisiert Austauschverhältnisse und damit jene Dimension, die eine grundlegende Voraussetzung für heutige (dividuale) Subjektivität und Räumlichkeit darstellt. In der parallelen Betrachtung von architektonischen und urbanen Formen als Symptome für transkulturelle Transfers sowie den damit im Abgleich stehenden Identitätsentwürfen, die zunehmend hybrider Natur sind, werden hier Aneignungsmöglichkeiten und eine damit verbundene Temporalität untersucht.

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Migration of Forms / Forms of Migration thematisiert Austauschverhältnisse und damit jene Dimension, die eine grundlegende Voraussetzung für heutige (dividuale) Subjektivität und Räumlichkeit darstellt. In der parallelen Betrachtung von architektonischen und urbanen Formen als Symptome für transkulturelle Transfers sowie den damit im Abgleich stehenden Identitätsentwürfen, die zunehmend hybrider Natur sind, werden hier Aneignungsmöglichkeiten und eine damit verbundene Temporalität untersucht.

Oliver Elser

Andreas Fogarasi

Lina Morawetz

Lina Morawetz

Peter Volgger